@ 2018 Tristan Braun |

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"Wer Tristan Braun

eine Weile zuhört, [...] der merkt bald: Einer, der mit der Konzeptkeule herumläuft,

der nach szenischen Krücken sucht, nach symbol-schwangeren Verkleidungen

des Stücks, all das ist er nicht. [...] Der singende Darsteller, der Mensch auf der Bühne als Zentrum der Arbeit: Dieser Vorsatz [...] bleibt letztlich die hohe Schule der Regie"

- Markus Thiel, Münchner Merkur

"Erstaunlich, wie sich Wagner-Opern auf ihre Essenz eindampfen lassen, [...] und wie man das kindergerecht simplifiziert, ohne deshalb banal zu werden."

- Manuel Brug, DIE WELT

"Brauns abgründiger Humor […] entsteht, indem er sich über die pathetischen Liebesgesten im Libretto aus dem Jahr 1816 lustig macht und daran eine furiose Komik entzündet. Statt um eine Liebesgeschichte geht es hier um die Story zweier in sich selbst Verliebter."

- Peter Jordan, Süddeutsche Zeitung

Tristan Braun wurde in München geboren. Als Sohn einer Opernsängerin und eines Kulturmanagers erhielt er bereits in frühesten Kindesjahren einen direkten Zugang zur Oper, dem Kulturbetrieb, und sämtlichen damit verbundenen Abläufen.

Er erlernte früh das Geigen- und Klavierspiel, nahm Unterricht in zeitgenössischem und klassischem Tanz und war Mitglied in Jugendorchestern, des jungen Theaterensembles und der Dance Youth Company des Staatstheaters am Gärtnerplatz. Er war als Sprecher u.a. für den Bayer. Rundfunk tätig, sprach zahlreiche Hörspiele ein und schlussendlich im Alter von 13 Jahren die zweistündige Lesung „Wenn dich ein Löwe nach der Uhrzeit fragt“ von Hermann Schulz. Mit letzterer CD-Veröffentlichung bei der HoerCompany gewann er den Deutschen Hörbuchpreis 2005.

Aus dieser Kombination von frühen Einflüssen resultierte schon im Kindesalter der Drang, eigene Ideen, Bewegungsabläufe und Bilder umzusetzen - noch vor Beendigung seines Abiturs am Münchner Pestalozzi-Gymnasium inszenierte und produzierte Braun auf eigene Initiative Moliéres „Don Juan“.

 

Ebenfalls in die Zeit vor sein Abitur fielen bereits Hospitanzen bei den Salzburger Festspielen: er begleitete Jürgen Flimm bei der Arbeit an Rossinis „Moise et Pharaon“ und im Jahr darauf Dieter Dorn und Jürgen Rose bei „Orfeo ed Euridice“ von C. W. Gluck.

 

Unmittelbar nach dem Abitur begann er an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin Musiktheaterregie zu studieren, wo er mit Regisseuren wie Stefan Herheim, Andrea Moses und Barrie Kosky in Kontakt kam und Szenen aus Mozarts „Figaro“, Händels „Il Trionfo“ oder Glucks „Orfeo“ erarbeitete. Da er von Beginn seines Lebens von den Abläufen und dem Repertoire der großen Opernhäuser umgeben war, ist er bis heute auf der intensiven Suche nach neuen Impulsen, Herangehensweisen und Arbeitstechniken, die für die Opernlandschaft zukunftweisend sein können.

 

So begann er, regelmäßig und eng mit der Choreographin und Regisseurin Sasha Waltz zu arbeiten, und assistierte ihr u.a. bei der Erarbeitung der Choreographie Strawinskys „Sacre“ zum 100-jährigen Jubiläum für das Mariinsky Theater und der Staatsoper Berlin, sowie bei Wagners „Tannhäuser“ an der Staatsoper Berlin.

Darüber hinaus war er an der Komischen Oper Berlin als Regieassistent und Spielleiter in der Produktion von Paul Abrahams 30er-Jahre-Operette "Roxy und ihr Wunderteam" (R.: Stefan Huber) tätig, und leitete in dieser Funktion die Wiederaufnahme in der darauffolgenden Spielzeit.

 "Für mich als Regisseur ist es wichtig, immer auch als Musiker zu denken.

Das ist wie ein Zapfhahn"

- Tristan Braun im Interview mit Markus Thiel, Münchner Merkur

Für Tristan Braun sind seine Tätigkeiten als Regisseur und gleichermaßen als Musiker unabdingbar miteinander verwoben. Während sein Interesse schon früh der alten Musik und der Barockoper galt, wandte er sich vor einigen Jahren intensiv der Barockgeige zu. Er musiziert aktuell regelmäßig mit Barockorchestern wie La Banda, dem Vox Orchester, Concerto München und ist dem Ensemble Wunderkammer eng verbunden. Mit letzteren nahm er u.a. Bachs "Johannes-Passion" in solistischer Besetzung auf (VÖ: 01/2020, Coviello Classics) oder spielte eine ebenso solistisch besetzte Aufführung früher Reformationsmusik mit dem Windsbacher Knabenchor live im Bayrischen Fernsehen.

Mit diesen Ensembles tritt er regelmäßig an Orten wie dem Herkulessaal der Münchner Residenz, der Meistersingerhalle in Nürnberg oder dem Konzerthaus Berlin auf.

Schon während des Studiums begann er, große Musiktheaterproduktionen zu inszenieren. Im Jahr 2014 setzte er mit seiner selbstgegründeten Company Tristan & Associates Purcells „Dido and Aeneas“ im Radialsystem V unter der Mitwirkung von Thomas Quasthoff in Szene, gefolgt von Händels „Ariodante“ in der St.-Elisabethkirche.

Er zeichnete 2015 für die Regie von Robert Krampes Uraufführung „Unsichtbare Fronten“ in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin verantwortlich und noch im gleichen Jahr inszenierte er „Parsifal - für Kinder“ in einer umjubelten Produktion bei den Bayreuther Festspielen.

Es folgte Rossinis „Barbiere di Siviglia“ an der Kammeroper München, für die er mit Alexander Krampe und Helga Utz eine neue Fassung erstellte. Die Produktion wurde mehrfach zu Gastspielen eingeladen und war zwei Jahre in Folge im Münchner Cuvilliés-Theater zu sehen.

An der Neuköllner Oper entwickelte er 2017 aus Monteverdis „Combattimento di Tancredi e Clorinda“ unter Verwendung von Musik der Zeit der Komposition einen Abend.

Das Freiburger Barockorchester bat ihn schließlich, im Frühjahr 2018 Pergolesis „La Serva Padrona“ halbszenisch umzusetzen, und darüber hinaus die stumme Rolle des Vespone zu übernommen. Es entstand eine vielfältige Arbeit, in der auch seine Tätigkeit als Barockgeiger zum Tragen kam. Die Produktion mit Sunhae Im und Furio Zanasi kam in Köln, Freiburg, Stuttgart, Berlin, Budapest und beim Helsinki Festival zur Aufführung.

 

Er widmete sich auf Einladung der Staatsoper Hamburg Wagners "Parsifal" neu und erarbeitete im Mai 2018 einen Abend mit Laiendarstellern und Schauspielstudenten, der sich dem Stoff gänzlich neu widmete.

 

Im Februar 2018 erschien außerdem das Buch "Singen", in dem Tristan Braun sich im Dialog mit seiner Mutter Lioba Braun der Frage nach dem singenden Darstellen stellt.

TRISTAN

BRAUN